Anna In – und die Sache mit den Studien

Die Sache mit den Studien

Wem kann man glauben?

Als Anna In, also als Durchschnitts-Frau, habe ich mich noch nie mit dem Thema „Studien“ befasst.

Musste ich bisher auch nicht. Dafür gibt es ja die „Studierten“ oder die, die besser Englisch können als ich. – Ich lese einfach die „Ratgeber“ zu den Themen, die mich interessieren und alles wird gut.

Dachte ich…

Formeln an der Schultafel

Seit ich mich jedoch mit dem Thema Ernährung beschäftige, und das nicht nur in Form von Kochbüchern und Rezeptheften, läuft mir das Thema „Studien“ immer wieder über den Weg.

Ein glaubhafter Text muss anscheinend zig Fußnoten enthalten, damit er überhaupt ernst genommen wird.

Alle Fußnoten verweisen auf wichtige Studien, wissenschaftliche Artikel und internationale Abhandlungen. Um das Ganze noch überzeugender zu machen, sind die Studien vorzugsweise auf Englisch.

Natürlich liegt das oft daran, dass es noch keine deutschen Studien gibt, oder sich noch niemand gefunden hat, der sie übersetzt hat.

Vor allem ist damit aber garantiert, dass ich sie nicht lesen werde. Für mich reicht es, wenn sich der Artikel wissenschaftlich „anfühlt“. Und das tut er eben durch die vielen Fußnoten und Verweise auf wichtige Studien und so weiter.

Ja, und so lese ich also im Moment diverse Ernährungsbücher. Jedes zweite davon liest sich wie ein Krimi. Es wird detailliert aufgeschlüsselt, wer welche Studien aus welchen Gründen gefälscht oder falsch interpretiert hat und warum alles ganz anders ist, als bisher behauptet.

Und ich, als Anna In, bin jedes Mal total überzeugt von der Richtigkeit der Aussagen, denn ich kann sie ja nicht widerlegen. Hinzu kommt, dass Bücher ja nicht gedruckt würden, wenn sie nicht eine gewisse Überzeugungskraft hätten. Das gleiche gilt übrigens für Dokumentationen und Zeitungsberichte.

Meinungsumfrage an der Autobahn

Was mir neulich auf einer Autobahn-Raststätte in Deutschland passiert ist, überzeugte mich nun endgültig von der Manipulation von Meinungsumfragen. Das sind nun zwar nicht direkt Studien, aber sie scheinen auch etwas bestimmtes erreichen zu wollen. Denn es reicht scheinbar nicht die reine subjektive Meinung von Anna In oder Otto Normalverbraucher-In abzufragen, sondern sogar die muss vorsichtshalber noch gefärbt werden, damit auch sicher das herauskommt, was der Auftraggeber dieser Umfrage befürwortet.

Wir hielten an einer Raststätte auf dem Rückweg von Holland nach Hause und kauften einen Snack für unterwegs.

Beim verlassen des Shops, hielt uns eine Frau auf. Sie hatte ein Tablett-PC in der Hand und fragte uns, ob wir 2 Minuten Zeit hätten für eine Umfrage. Mein Freund sagte gleich „Mach Du das.“ zu mir und weg war er. Ich beantworte solche Umfragen eigentlich ganz gerne, da mir die Leute zum einen leid tun, wenn sie nur absagen bekommen und, weil ich mich dann nicht beschweren kann, dass ich nicht mitreden durfte… 😉

Die Dame begann: „Wie gefällt Ihnen dieser Shop.“ …

Hm, in Bezug auf was, meint sie das. Von der Einrichtung, der Architektur, der Aufmachung der Angebote… Auf meine Rückfrage kam: „ Naja, wie gefällt Ihnen das hier so… (fuchtelt mit der Hand in Richtung „Großraum Shop“) … eher gut, oder eher so mittelmäßig? … Wahrscheinlich mittelmäßig, oder?“ Ich schaue sie an und sage: „Nee, ist schon ganz in Ordnung. Schreiben Sie mal „Gut“ hin.“

Nächste Frage: „Sie waren ja am WC und dann, danach, haben sie diesen Snack (Eis) gekauft. Wie freundlich war die Kassiererin? Freundlich oder eher nicht so freundlich?“ Ich: „ Nunja, ich habe da nicht so drauf geachtet. Mein Freund hat mit ihr gesprochen und bezahlt.“ Die Dame: „Naja, was hatten Sie für einen Eindruck. Es zählt ja nur der Eindruck. Vermutlich war sie so mittelmäßig, oder? Hat Sie sie begrüßt? Bestimmt nicht, oder?“ Ich, schon leicht irritiert: „Aber ich bin sicher, dass sie freundlich war. Warum sollte sie es nicht sein? Schreiben Sie „Freundlich“.“

Weiter ging’s. „Hat die Dame an der Kasse Ihnen gesagt, was es heute noch so im Angebot gibt?“ Ich: „Nein, hat sie nicht. Zum Glück!!! Das hätte mich auch total genervt.“ Ich schaue auf ihren Tablet-PC – Sie kreuzt „Nein“ an… Hm. Das war ja maximal die Hälfte meiner Antwort. Ein Zusatz war bei der Befragung nicht vorgesehen…

„Wie waren Sie mit der Präsentation des Sortiments zufrieden? So mittelmäßig, oder?“ So langsam ging mir die Dame auf den Nerv mit ihrem „so mittelmäßig, oder?“. Wieso war die so negativ eingestellt. Wieso dämpfte sie mit ihren Antwortmöglichkeiten den Gesamteindruck so.

Wieder warf ich einen Blick auf ihr Programm… Da waren 5 Antwortmöglichkeiten. Sehr gut, gut, mittelmäßig, nicht so gut und schlecht. Warum bat sie mir nur maximal zwei an? Warum klärte sie mich nicht über die vollen Antwortmöglichkeiten auf. Warum suggerierte sie mir ständig, dass hier alles maximal mittelmäßig sei.

Vorsicht ist geboten

Vier Buntstifte

Wir sollten alle sehr vorsichtig sein, mit dem, was wir glauben. Warum? Weil jeder mit dem, was er von sich gibt, seine Meinung untermauern will. Weil jeder bei seiner Studie versucht, das zu beweisen, was er glaubt, herausgefunden zu haben. Weil Studien sehr oft gefärbt sind.

Gefärbt von dem, der sie entwickelt, von dem, der befragt, von dem, der sie interpretiert, von dem, der die Ergebnisse vorträgt. Und – ob wir es glauben oder nicht – auch von uns, den Lesern.

Und dabei meinen die meisten es einfach nur gut. Sie sind sich ihrer Beeinflussung gar nicht bewusst. Von denen, die wissentlich Studien fälschen oder einfach nur den Teil der Ergebnisse präsentieren, der ihnen zusagt, von denen rede ich jetzt gar nicht. Das ist wieder eine andere Geschichte.

Ein Beispiel

Vor meiner Ernährungsumstellung, habe ich vier unabhängige Analysen zu meinem Ernährungstyp machen lassen. Analysen mussten ja wissen, was mir gut tut, besonders, wenn sie direkt mit mir zu tun hatten. Meine Energie, mein Speichel, meine Blutgruppe, mein Geburtsdatum, -ort und -zeit. Das musste doch wirklich aussagekräftig sein und stimmen.

Herausgekommen ist folgendes:

Analyse-Tabelle

Was mich zusätzlich überzeugte, war: Bis auf den letzten Punkt waren sich drei Analysen einig. Also wird das Ergebnis wohl stimmen…

Ich probierte es aus um 5 Kilo abzunehmen. 150g Kohlenhydrate sollte ich am Tag essen, wenig Fett, etwas Bewegung und das Ganze natürlich unterkalorisch. Wie stark, habe ich vergessen. Ich war total motiviert, habe genau Buch geführt und sogar mit der empfohlenen Bewegung hatte ich nach 6 Wochen erst etwa 1 Kilo Gramm abgenommen. Was für ein Frust. Ich war dauerhaft hungrig, unzufrieden und enttäuscht. Ich glaube, das war meine erste Diät in meinem Leben… Na, das fing ja gut an… Die Analysen waren meinem Körper völlig wurscht. Er hatte sein ganz eigenes Programm und wollte gehört werden.

Ein neuer Plan musste her

Nach 6 Wochen sagte eine Bekannte zu mir: „Versuche es doch mal mit unter 30g Kohlenhydrate pro Tag und achte auf eine Eiweißportion pro Mahlzeit – Mir hat es vor einiger Zeit geholfen.“ Von Bewegung war keine Rede…

Gesagt, getan. Von etwas, was nach 6 Wochen nicht half, ging ich nicht davon aus, dass es sich nach weiteren 6 Wochen ändern würde, also brach ich die Diät ab und folgte dem Rat meiner Freundin. Schnell ein paar LowCarb-Kochbücher gekauft, Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln von meinem Speiseplan gestrichen, mir den Zucker im Café Latte abgewöhnt und in kürzester Zeit waren die 5 Kilos unten.

Tabelle mit Punken, was ich erreicht habe

Juhuuu – Gewonnen 🙂

Was hat mir das ganze jetzt gebracht? Ärger über die anderen, die „unrecht“ hatten? Nein. Auf keinen Fall. Hier geht es nicht darum, jemand anderen verantwortlich zu machen. Es geht alleine darum, zu erkennen, dass der einzige, der beurteilen kann, wie es ihm geht und ob etwas hilft oder nicht, man selbst ist. Probiere die Dinge ernsthaft aus. Wenn sich nach 4-6 Wochen kein deutlicher Unterschied zeigt, ist es nicht das Richtige für Dich. Das ist meine Meinung. Und nur meine!

Rückblickend finde ich, dass ich sehr viel gewonnen habe. Nämlich sehr viel Erfahrung. Damit hat sich für mich wieder bestätigt:

„Erfahrung ist nicht das, was Dir zustößt.
Erfahrung ist das, was Du aus dem machst, was Dir zustößt.“
(Aldous Huxley)

Tabelle mit Punkten, was das für mich bedeutet

Liebe Leserin, lieber Leser, sei Dir bewusst, dass jedes Wort in diesem Text gefärbt ist. Von meinen Erfahrungen, meinem Erleben, meinem gelernten, meinen Gefühlen, meinen Ängsten, meinen Wahrheiten, meinen Träumen, meiner Erziehung, meinem Ego, meiner Energie, meinem ICH.

In diesem Sinne: lese alles, glaube nichts. Und schreibe Deine Wahrheiten in die Kommentare… Wenn Du magst. 🙂

Alles Liebe
Deine Anna In

By |2017-02-14T11:33:18+00:0009. September, 2016|Anna In, Ernährung|0 Comments

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